Der Friedhof der Heimatlosen auf Westerland

Friedhof der Heimatlosen

Dass das Leben in unmittelbarer Nähe der manchmal doch sehr stürmischen Nordsee nicht immer nur ein Zuckerschlecken ist, dürfte den meisten Besuchern der Insel Sylt schnell auffallen. Aus diesem Grunde schadet es nicht, sich im Urlaub auch einmal jener Sehenswürdigkeiten anzunehmen, die an die traurigeren Ereignisse der Inselgeschichte erinnern. Das sind hier auf der Insel, aber auch an vielen anderen Uferabschnitten rund um die Nordsee, die so genannten „Friedhöfe der Heimatlosen“.

Und der Name kommt nicht von ungefähr. Denn begraben sind dort zumeist Menschen, von denen keine Informationen hinsichtlich ihres Namens, ihrer Herkunft oder ihres Alters zum Zeitpunkt ihres Todes bekannt waren. Aber warum ist das so? Ganz einfach. Auf dem Friedhof der Heimatlosen im Sylter Ort Westerland liegen, wie auf all den anderen Friedhöfen der Heimatlosen in Deutschland und den angrenzenden Ländern, Menschen, die bei Schiffsunglücken vor der Insel ums Leben gekommen sind und die mitunter aus weit entfernten Ländern stammten.

Friedhof der Heimatlosen

Elisabethstraße/ Käpn'n-Christiansen-Straße,
25980 Westerland

 

 

Friedhof der Heimatlosen - Ursprung

Eingeführt wurde dieses Brauchtum bereits im 18. Jahrhundert, so richtig verbreitete es sich aber erst im Jahrhundert darauf. Allerdings waren die Orte, vor denen diese Schiffsunglücke passierten, schon zuvor peinlich darauf bedacht, die angespülten Leichen wenigstens provisorisch zu beerdigen. Denn immerhin zogen die Orte damals schon Besucher an, die ihre Sommerfrische hier verbrachten – und diese Menschen sollten nicht durch herumliegende Tote angeschreckt werden.

Und da viele der Opfer oft nicht mehr zu identifizieren waren, beschlossen die Verwaltungen der Ferienorte, die Idee der Friedhöfe der Heimatlosen in die Tat umzusetzen. So ist zumindest für jene Verstorbenen, die Opfer einer Havarie geworden sind, ein würdevoller Platz für die letzte Ruhe geschaffen worden. Dass das Schicksal dieser Toten, die auf tragische Weise und während der Ausübung ihres Berufs ums Leben gekommen sind, auch hochwohlgeborene Menschen beeindruckt, zeigt die kleine Sylter Legende aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Königin von Rumänien

Und zwar soll damals die Königin von Rumänien ihren Urlaub auf der Insel verbracht und dabei erfahren haben, dass es so etwas wie den Friedhof der Heimatlosen in Westerland, angelegt im Jahr 1855, überhaupt gibt. Sie fand das offenbar so ergreifend, dass sie eine Gedenktafel für die Toten auf dem Gottesacker anbringen ließ, die folgenden Text trug: „Wir sind ein Volk vom Strom der Zeit. Gespült zum Erdeneiland, voll Unfall und voll Herzeleid bis heim uns holt der Heiland. Das Vaterhaus ist immer nah, wie wechselnd auch die Lose. Es ist das Kreuz von Golgatha, Heimat für Heimatlose.“

Wir verwenden Cookies, um den bestmöglichen Betrieb dieser Webseite zu gewährleisten.
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Cookies verwendet werden. Weitere Informationen zu unseren Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung